Kunst in der Kirche

 

„Und das Sinken geschieht um des Steigens willen“

Moderne Kunst am Karfreitag und an Ostern

in St. Fidelis seit über 25 Jahren

 

Quelle: Diakon Werner Knubben

 
Wie die Liturgie, so ist auch die Kunst eine Vermittlerin des Unaussprechlichen. Motiviert von dieser Erkenntnis versuchen wir in der damaligen Gemeinde St. Fidelis und heute in der Seelsorgeeinheit Sigmaringen seit 1994 zeitgenössische Bildende Kunst und möglichst zeitgenössische Musik einzubeziehen, um uns in der Heiligen Woche dem Geheimnis christlichen Glaubens zu nähern. Dabei steht immer wieder vor allem der Transitus, die Wandlung des gekreuzigten, toten Jesus zum auferstandenen Christus im Mittelpunkt unserer Betrachtung.
Begonnen haben wir damals mit dem Künstler Josef Bücheler aus Rottweil, der mit seiner „ars povera“ im Alten Schlachthof in Sigmaringen sein Kunstwerk: Aus der Tiefe ruf ich Herr zu Dir!“ geschaffen hat, ein Werk aus Wasser, Kalk, Grafit, Erde, Zeitungen und Werbeprospekten, also irdene Stoffe, die symbolisch sind für unsere irdische Realität, für Werden und Vergehen. Am Karfreitag lag diese Arbeit, die ungefähr der Größe einer menschlichen Gestalt entspricht, auf dem Boden vor dem Altar auf der Ebene, auf der wir Menschen leben. In dieser horizontalen Ebene stellte das Kunstwerk mehr Fragen als es Antworten geben konnte. Büchelers Kunstwerk brachte die Gemeinde in Beziehung zu einem Gott, den wir Menschen auch in Abwesenheit, in seiner Entzogenheit, seiner Ferne und seinem Schweigen erleben.
In der Osternacht zeigte sich das Kunstwerk, die nun auferstandene Gestalt Jesu zwischen Himmel und Erde an der großen, weißen Chorwand der Fideliskirche. So wurde die Dimension ins geistige, Geistliche, Transzendente, Göttliche, in die Unendlichkeit des Himmels hinein eröffnet.
Büchelers Kunstwerk wurde so zu einem beeindruckenden Modell, zu einer künstlerischen Idee, wie Karfreitag und Ostern in einem Kunstwerk zusammengebracht werden können.
Alle anderen 17 Künstler, Gabriele Gaus und Bernhard Maier haben sich zweimal dieser schweren Aufgabe beeindruckend gestellt, haben mit ihren Kunstwerken in den vergangenen 22 Jahren die Gottesdienstbesucher in der Heiligen Woche und regelmäßig dann bis Pfingsten inspiriert, die Weisheit aus der jüdischen Kabala, Buch Sohar: „Und das Sinken geschieht um des Steigens willen!“ ins Hier und Jetzt ihres Lebens zu deuten.
 

Künstler und Werke im Laufe der Jahre

2021
Angelika Frommherz
Installation Farbteppich
"VerBUNDen"
 
2020
Wilhelm Geyer (1900-1968)
Tryptichon „Passionsaltar“
"Das geht meiner Seele nah"
 
2019
Ernst Lorch
 Objekt „Verhüllter Hoffnungsträger“
"Im Atem der Hoffnung"
 
2018
Jürgen Knubben
Il Cenacolo (Hommage à Leonardo), Stahl, 2010, WV 361
in memoriam
 
2017
Dieter Krieg
Kreuzinstallation
”Fürchte dich nicht! Es blüht hinter uns her!“
(Hilde Domin)
 
2016
Robert Hak
Videoinstallation
„Der Tod hat nicht das letzte Wort“
 
2015
Hans-Jürgen Kossak
"Stirb und Werde – Der Herzschlag Gottes"
 
2014
Michael Royen
Installation des Kunstwerkes „Tänzer“ von Michael Royen
durch Johannes Buhlert
„Tanze bis in die Herzmitte Gottes hinein“
 
2013
Tanja Bippus-Jäger und Bernhard Schlude
"In Grabes Stille"
 
2012
Andreas Felger
„bis auf´s Blut entblößt…“
 
2011
Bernhard Maier
„Denn aus dem Ewigen ist kein Ausweg“
 
2010
Angela M. Flaig
„Es war – es ist – es wird sein“
 
2009
Hannes Forster
„Dein Allesvorüber – Mein Immernochda“
 
2008
Hans Peter Reuter
„Erscheinung in Sigmaringen“
 
2007
Romain Finke
„Der Himmel über an Dir Zerbrechen“
 
2006
Willi Bucher
„Reiß mir die Maske des Todes vom Gesicht“
 
2005
Melanka Herbut
„Für Sehende und Anderssehende“
 
2004
Sieger Köder
„Schau hin“
 
2003
Fritz Rapp
„Es wird sein von immer zu immer“
 
2001
Bernhard Maier
„Auf dem Weg zum Kreuz“ 
 
2000
Gabriele Stiegler-Gaus
„Der Tod ist groß“
 
1998
Gabriele Stiegler-Gaus
„Der Traum von Raum“
 
1997
Edith und Berthold Kösel
„Es ist vollbracht“
 
1996
Jürgen Knubben
„Crucem tuam adoremus, domine“
 
1994
Josef Bücheler
„Aus der Tiefe ruf ich Herr zu dir“
 

Uraufführungen zeitgenössischer geistlicher Musik am Karfreitag

1994
„Aus der Tiefe ruf ich Herr zu Dir“
Komposition von Prof. Wolfgang Widmaier, Sigmaringen, Gesang: Marlies Petersen, Saxophon Wolfgang Fischer
 
1996
„Crucem tuam adoremus, domine“
damaliger Bezirkskantor,
heutiger Prof. Jürgen Essl, Musikhochschule Stuttgart
 
1997
„Tod und Auferstehung Jesu“
damaliger Gymnasiast,
heutiger Dozent für Klavier, Kammermusik, Moderne Musik
und Tonsatz an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg
 
1998
"Psalm 31"
Komposition von Prof. Wolfgang Widmaier, Sigmaringen,
Percussions – Improvisation, Mike Asche, Meßkirch
 
2004
„Psalm 40,2-4;10-12; 18“
nach einer Übersetzung von Martin Buber
Komposition von Prof. Wolfgang Widmaier, Sigmaringen,
Vokalquartett aus der Gemeinde
 
2009
„Ecce lignum“;
„Seht das Kreuz,
an dem der Herr gehangen,
das Heil der Welt.
Kommt lasset uns anbeten“,
Bearbeitung von Wolfgang Eisele, CARLAS SAXAFFAIRS
 
2013
„In Todes Stille“
Komposition für Klarinette, Sprechgesang
und Karfreitagsrätsche
von Tanja Bippus-Jäger, Bern      
 
 

Zeitgenössische geistliche Musik am Karfreitag

 
2000
„Eli, Eli“
Komposition von David Zehari
Gesang: Hagit Noam, Musikhochschule Trossingen
Klavier: Goetz Mursch, Trossingen
 
2001
„Alttestamentliches Gebet“ (Psalm88,1-3)
von Michael Radulescu, Wien,
Drothee Babst, Sopran und Clemens Morgenthaler, Orgel,
Cantus von Arvo Pärt,
Ensemble des Hohenzollerngymnasiums Sigmaringen,
Leitung: Mathias Trost
 
2005
„Tanz an der Grenze“
Komposition von Eckhard Kopetzki,
„Liebeslied“
Komposition von Nebosla Joran Zivcovik
Marimaphon: Matthias Schleyer, Sigmaringen
 
2006
„Metamorphosen I – III“
Benjamin Britten, Opus 59,
Oboe Helmut Siemann, Sigmaringen
 
2007
Max Reger: „Treuer Heiland“;
Ernst Pepping:„o wie süß ist dein Gedächtnis“,
Collegium Cantorum Rottweil,
Leitung Armin Gaus
 
2008
„Trauermusik“
von Paul Hindemith,
Kuony-Quartett, Stockach
 
2009
„Versuchung“
Improvisation Carlas Saxaffairs
mit Wolfgang Eisele, Fritz Rebstein, Helmut Stegen, Stefan Dudda
 
2010
 „Sonate für Harfe“
Paul Hindemith, Juliane Horvath, Ulm
 
2011
„Improvisationen“
Klarinette: Hans-Georg Rimmele, Bad Saulgau
Arvo Pärt, „Spiegel im Spiegel“,
Orgel Mathias Trost,
Klarinette: Hans-Georg Rimmele
 
2012
„Kyrie“ aus: Misa Criolla
Komposition von Ariel Ramirez
Chor St. Johann, Leitung: Bezirkskantor Klaus Krämer